Anziehungskraft einer Muschel

Nordsee Hotel und Restaurant Naber, ein Name, der in meinen Jugendtagen immer mit sehr viel Hochachtung ausgesprochen wurde.

Vier Jahrzehnte später ziehe ich zurück nach Bremerhaven, schlendere wie früher zum „Bürgern“ über den Theodor-Heuss-Platz zur Bürger, also in Langschrift: zur Bürgermeister-Smidt-Straße. Vorher streife ich am so vertrauten Bürgermeister-Smidt-Denkmal vorbei.

Eine Muschel ziert die Fassade

An seiner rechten Seite steht das alte Hotel. Doch die so vertraute Werbung für einen uralten Weinbrand und ein ebensolches Parfüm leuchtet nicht mehr über dem Flachdach der gradlinigen 1950er-Jahre-Architektur. Überhaupt hat sich das Haus verändert. Früher war die Fassade gelb, inzwischen wurde sie in ein elegantes Grau getaucht. An ihrer fensterlosen Westflanke hält sie mir ein riesiges Logo entgegen. Silbrig glänzt die Metallplastik zu mir herunter. Meine Phantasie malt daraus eine Jakobsmuschelschale. Sie gibt dem Theodor-Heuss-Platz einen neuen Akzent. Wie ein Schönheitsfleck in einem Gesicht zieht sie meinen Blick auf sich.

Hausfassade mit stilisierter ´Muschel

Moderne Hauswand mit stilisierter Jakobsmuschel (c) Nordsee Hotel Brhv

Das gewerbliche Kunstwerk stammt aus der Feder der Bremer Architektin Iffi Wübben, erläutert mir Kai Kieckbusch, Mitarbeiter des Hotelkonzerns. Und tatsächlich stand die Muschelschale des heiligen Jakobs aus dem spanischen Santiago de Compostela Pate für die neue Plastik am neuen Nordsee Hotel. Diese Muschel drückt die Liebe zum Meer aus und gleichzeitig die unerklärliche Anziehungskraft, die eine Pilgerstätte auf Menschen ausübt. Wie Eisenspäne zu einem Magneten streben sie von vielen fernen Orten zu einem Zentrum, auf das ihr Herz neugierig ist. Oder sie kommen zu ihm zurück. Neugierig. Wie ich.

Eleonore Born

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