Die vergessenen Wolfskinder

Menschen auf der Flucht schw/weiß

(c) Bundesarchiv, Bild 146-1985-021-09 / Unbekannt / CC-BY-SA 3.0

Würde man heute bei einer Strassenumfrage nach dem Begriff „Wolfskinder“ fragen, dann kämen sicherlich mehr Antworten in der Richtung: ja, kleine Wölfe. Dass dies so ist, liegt sicherlich auch daran, dass wir bis heute diese „Wolfskinder“ in unserer Gesellschaft vergaßen.

Umso wertvoller war ein Abend im Kapitelsaal, der vom Kapitel 8 angestoßen war. Lange vor Beginn war der Saal überfüllt; erkärlicherweise mit Älteren. Ich wusste, dass ein Jüngerer zunächst aus seinem Buch zu diesem Thema lesen würde. Generell habe ich Bedenken, wenn junge Menschen sich zu solchen Themen äußern. Diesmal wurde ich eines anderen belehrt. Sehr einfühlsam las der Historiker Dr. Christopher Spatz aus seinem Werk „Nur der Himmel blieb derselbe“, das er aufgrund von Gesprächen verfasst hatte.

Fußabdrücke im Schnee

(c) Robers

Zwei „Wolfskinder“ waren als Zeitzeugen anwesend und berichteten vom eigenen Schicksal. Es war mucksmäuschen still im Saal. Diese Kinder schlugen sich alleine nach Kriegsende, meist von Ostpreußen kommend, durch. Alleine, mutterseelen alleine. Vergessen vom Rest der Welt. Ein Wunder, dass sie ihren Weg später noch fanden. Und der war beschwerlich genug, denn ein Betroffener berichtete, dass er erst nach „Rückführung“ ins Nachkriegsdeutschland Lesen und Schreiben lernte, denn eine Schule durften diese Kinder, die oft in Litauen landeten, nicht besuchen.

Das aber ist nicht die einzige Tragik; es fehlten die Jahre, die sie hier in die Rentenkasse eingezahlt hätten. Entsprechend winzig sind heute ihre Einkommen, wenn man überhaupt von „Einkommen“ reden kann. Und Entschädigung? Das Wort fehlt in diesem Zusammenhang.
Angesichts der aktuellen Flüchtlingswelle bleibt zu hoffen, dass die heutigen „Wolfskinder“, die nun täglich aus fremden Ländern zu uns kommen, schon durch die Aufmerksamkeit der Medien nicht vergessen werden.

Gisela E. Walther

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