Drachenzeiten

Viele Drachen vor blauem Himmel

(c) By Jon Sullivan [Public domain], via Wikimedia Commons

Dieses Oktober-Thema führt zuerst zurück in die Kindheit. Wie haben wir die Drachenzeit ersehnt. Die Felder waren abgeerntet und der bescheidene selbst gebastelte Drachen konnte sich in die Lüfte erheben. Gegenüber heute ein bescheidenes Unterfangen, aber immerhin eben Drachen.

Dann schleift das Leben an einem und es kommt auch nach dieser unschuldigen Kinderzeit der innere Drache mehr und mehr zum Vorschein. Er ist nicht mal eben hinauszuwerfen. Zäh behauptet er sich und bei aller Mühe, ihn umzuwandeln, geht dies in lebenslange Arbeit an sich selber über.

Ob man es annehmen will oder auch nicht, diese Drachenseiten in einem selbst sind wie mitgegeben, eben auch als Aufgabe. Sie zu kultivieren ist aber menschenmöglich. Doch man mache sich nichts vor, auch Ringen mit diesem unsichtbaren Drachen. Könnte man ein Ventil öffnen und ihn fliegen lassen, das wäre fein, weg mit dem Drachen aber auch weg mit der Tätigkeit des Überwindens, Zähmens, Umgehens.

Bevor die kalte Jahreszeit beginnt, lassen Kind und Kegel Drachen steigen, der Herbstwind hilft, sie in die Lüfte zu bringen. Dann wird es ungemütlich draußen. Der sichtbare Drachen wird eingemottet oder hat sich kaputtgeflogen und muß im nächsten Jahr völlig neu erschaffen werden.

Antike Zeichnung eines Drachens

Großer Drache von der Insel Rhodus (c)By Athanasius Kircher? ([1]) [Public domain], via Wikimedia Commons

Der innere Drache könnte nun in der stillen Jahreszeit bemerkt und erzogen werden, wenn man überhaupt an ihn denkt. Er liebt es, vergessen zu sein und dann aus dem Nichts über einen herzufallen. Schon hat er einen reingelegt.

Aber er ist auch nicht unüberwindbar, eigentlich wartet er darauf, kultiviert zu werden. Dann ergibt sich Kraft daraus, zu durchschauen und Situationen besser einschätzen zu lernen.

Ja, ja, es gibt eben nichts Kostbares im Menschenleben zum Null-Tarif, alles ist mit innerer und äußerer Arbeit verbunden. Erfreuen wir uns am Drachen-Fliegenlassen und dann im gemütlichen Stübchen eben auch bei einer schönen Tasse Tee an einem Zwiegespräch mit diesem inneren Kostgänger. Geben wir ihm nur nicht zuviel Nahrung, wird er zu stark und ungebändigt, kann er auch zu explosivem Handeln Antrieb werden. Das jedoch ist zuviel, besser ist es, selber Herr im eigenen Lebenshause zu sein.

Also auf eine gute Drachenzeit!

Elisabeth Kriechel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.