Migranten in Bremer Altenheimen

Aufgrund des demografischen Wandels in der Gesellschaft wird auch die Zahl der älteren Menschen mit Migrationshintergrund in der Bremer Bevölkerung ansteigen. Die erste Generation sogenannter „Gastarbeiter“ wollte damals nur ein paar Jahre arbeiten und dann wieder in ihre Heimat zurückkehren. Daher hat sich diese Generation über das Älterwerden in Deutschland keine Gedanken gemacht und sich auch nicht darauf vorbereitet.

Statistische Tabelle

(c)Statistisches Landesamt Bremen, 31.12.2013

Heute pendelt ein großer Teil dieser Menschen zwischen ihrer Heimat und Deutschland, aber mit zunehmendem Alter bleiben doch viele wieder aus gesundheitlichen und familiären Gründen in Deutschland. Die erste Generation und auch ein Großteil der zweiten Generation sind stark religiös und traditionell von islamischen Grundsätzen geprägt. Die Pflege von Eltern ist eine Familiensache und wird als Pflicht der Kinder gegenüber den Älteren verstanden. Daher wird die Unterbringung der Eltern in Heimen von den Kindern abgelehnt. Der Heimaufenthalt wird immer als letzte Möglichkeit angesehen.

Krankenhausflur

Quelle: frauenseiten. © Schütte

Kultursensible Altenpflege ist nötig

Durch die strukturellen, familiären und auch gesellschaftlichen Veränderungen wird Hilfsbereitschaft hinsichtlich der Pflege der Eltern und Verwandten für die Kinder und die anderen Familienmitglieder immer mehr zur Belastung. Sie haben jetzt, auf sich gestellt, ihre eigenen Probleme mit Haushalt, Berufstätigkeit und Kindererziehung. Das hat zur Folge, dass ein Heimaufenthalt für Eltern nicht mehr wie früher vehement abgelehnt wird. Die Migranten, die aus anderen Kulturen kommen, meistens die Muslime, haben Ängste und Vorurteile gegenüber Heimen und möchten, so lange wie möglich, in ihren eigenen vier Wänden leben. Aber wenn es nicht mehr geht, wissen sie auch, dass die Heime ihnen helfen können. Daher wird nun zunehmend doch erwogen, im „Altersheim“ zu wohnen oder sich einem „Pflegeheim“ anzuvertrauen. So wird die Zahl der alten Menschen mit Migrationshintergrund in den Heimen zunehmen.

zwei Frauen, Rückenansicht

(c)frauenseiten.bremen, Xie Mao

Pflegepersonal mit kulturellen Erfahrungen

Deshalb ist es nötig, dass die Einrichtungen ihre Angebote verändern, z.B. kultur- und religionssensibel eingerichtete Räume anbieten und auch die kulturellen, sprachlichen und religiösen Bedürfnisse von älteren Migrantinnen/Migranten berücksichtigen. Strukturelle Änderungen sind auch beim Pflegepersonal wichtig. Es sollten häufiger Pflegekräfte eingesetzt werden, die muttersprachlich mit den Pflegebedürftigen kommunizieren können und über biografische und interkulturelle Kenntnisse verfügen.

In diesem Zusammenhang interessieren folgende Fragen: Wie ist die aktuelle Lage, wie viele Migranten sind bereits in Bremer Alten- oder Pflegeheimen untergebracht ? Wie kann zukünftig kultursensible Altenpflege gemäß den Bedürfnissen von Migranten gestaltet werden?

Dazu wurde im Juni 2016 von der Autorin eine telefonische Befragung in 77 Altenwohn- und Pflegeheimen durchgeführt, deren Ergebnisse im November-Durchblick tabellarisch, sozusagen als Faktencheck vorgestellt werden. (Fortsetzung folgt!)

Zeynep Sümer

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