Wat is dat denn…? Nr. 9 – Sambawagen und Zigarren

Historisches Bild mit Sambawagen und einer Menschenmenge, die vor dem Rathaus für eine neue Bahn Spalier steht.

(c) Archiv der Freunde der Bremer Straßenbahn

Wenn man früher von den „Sambawagen“ sprach, wurde dabei keinesfalls an Partys gedacht: Im Jahr 1953 wurden die ersten Großraumwagen bei der BSAG eingesetzt. Tausende Bremerinnen und Bremer kamen an einem grauen Tag auf den Marktplatz, als Bürgermeister Wilhelm Kaisen die ersten fünf modernen Großraumwagen auf der Straßenbahnlinie 2 freigab. Im Jahr 1954 folgten dann rund 20 weitere Züge. Wegen ihrer wiegenden Bewegungen während der Fahrt erhielten sie bei den Bremerinnen und Bremern schnell den Spitznamen „Sambawagen“- nach dem beliebten Modetanz aus Südamerika. Das Design der Züge mit den vielen Rundungen entsprach dem damaligen Zeitgeschmack und brachte ihnen schnell auch die Bezeichnung „Zigarre“ ein. „Türen, die sich wie von Geisterhand öffneten“ (also automatische Türen) waren seinerzeit ebenso neu, wie der sogenannte Fahrgastfluss: Hinten beim Schaffner einsteigen, der auf einer Art „Thron“ saß, ganz nach vorn durchgehen und dort aussteigen.

Sambawagen Eine historische Straßenbahn vor dem Bremer Bahnhof

(c) Archiv der Freunde der Bremer Straßenbahn

Der Sambawagen endete als „alte 10“

Die letzten ihrer Bauart, nämlich zwei Züge, verabschiedeten sich erst im Jahr 1990 auf der Linie 10. Sie wanderten jedoch nicht wie viele ihrer Kolleginnen auf den Schrott, sondern wurden für die Nachwelt aufgehoben. Dazu gründeten Interessierte den Verein Freunde der Bremer Straßenbahn e.V., der sich seitdem im Auftrag der BSAG um die historischen Wagen kümmert und diese für historische Rundfahrten einsetzt. Im Straßenbahnmuseum in Sebaldsbrück sind von den Großraumwagen der Zug 811/1806 (weitgehend im Lieferzustand) als fahrfähiger Zug und der zweite Zug 827/1815 (im Zustand des letzten Einsatzes 1990) als Ausstellungsstück hinterstellt.

Heiner Brünjes

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