Der Krankheit den Schrecken nehmen

Paar an einem Informationsstand

Betroffene erhalten hier konkrete Informationen, wie sie ihren Alltag mit Parkinson oder Multipler Sklerose gestalten können. (c) Messe Bremen / Michael Bahlo

NEURO 2016 bringt Forscher, Gesundheitsberufe und Patienten zusammen.

Zuerst schmerzen die Beine, dann fühlt sich eine kalte Flasche auf dem Oberschenkel plötzlich heiß an und schließlich geht nichts mehr: aus dem Bett aufstehen, ein paar Schritte laufen – die Beine versagen ihren Dienst: Diagnose Multiple Sklerose (MS). Die meisten der 200.000 deutschen MS-Patienten erhalten den Befund im Alter zwischen 20 und 40 Jahren. Angst vor dem nächsten Schub und die Unsicherheit, wie das Leben weitergeht, werden zu ständigen Begleitern. Wie sich der Alltag mit MS und Morbus Parkinson gestalten lässt, das erfahren Betroffene und deren Angehörige auf dem Kongress NEURO 2016 am Samstag, 3. September im Bremerhavener Atlantic Hotel Sail City. Für die Gesundheitsberufe bietet NEURO ein Update zu Diagnostik und Therapie der beiden neurologischen Erkrankungen.“Die hohe Qualität der Vorträge und die Möglichkeit, mit renommierten Medizinern ins Gespräch zu kommen, zeichnen die Tagung aus“, erklärt Kordula Grimm, Projektleiterin bei der Messe Bremen, die die Veranstaltung ausrichtet.

Mann an einem Trainingsgerät

Zu den rund 25 Ausstellern gehören auch Anbieter von Alltagshilfen oder Reha-Zentren, die neue Therapieangebote vorstellen. (c) Messe Bremen / Michael Bahlo

Das einzigartige Konzept von NEURO: Aktuelle Forschungsergebnisse und Entwicklungen zu Ursachen, Diagnostik und Therapieformen werden zweifach vermittelt, einmal für Fachpersonal und einmal für Betroffene. „Mediziner und Pflegende können sich hier einen Überblick über neue Präparate und Methoden verschaffen“, sagt Professor Dr. Per Odin, NEURO-Programmbeirat. Im Vergleich zu den 1990er-Jahren stünden heute 60 bis 70 Prozent mehr Substanzen zu Verfügung. „Etwa Dimethylfumarat oder Natalizumab, die den Krankheitsverlauf bei MS signifikant verlangsamen können“, erklärt der Neurologe. Über zukünftige Behandlungsmöglichkeiten für die Autoimmunkrankheit wird Professor Dr. Andrew Chan vom Inselspital Bern berichten.

Sein Dresdner Kollege, Professor Dr. Heinz Reichmann, spricht in Bremerhaven über Therapieformen beim Parkinsonsyndrom. Thema seines Vortrags sind auch neue Ansätze in der Diagnostik. „Viele Patienten leiden zu Beginn der Krankheit an Schlaf- oder Riechstörungen, bevor Symptome wie Versteifung und Zittern einsetzen. Kollegen weltweit forschen zu neuen Verfahren, die Prognosen ermöglichen, ob es sich bei derartigen Störungen um Parkinson im Frühstadium handelt oder andere Erkrankungen vorliegen.“ In Experimenten wurde beispielsweise nachgewiesen, dass das Darmmikrobiom Aufschluss über das Erkrankungsrisiko geben könne. Ziel sei es, mit entsprechenden Wirkstoffen den Krankheitsverlauf zu stoppen, so dass es bei den anfänglichen Schlaf- oder Riechstörungen bleibe.

Eine Frau und ein Mann an einem Stehtisch

NEURO 2016: Fachpersonal und Betroffene informieren sich am 3. September Ursachen, Diagnostik und Therapieformen bei Multipler Sklerose und Morbus Parkinson (c) Messe Bremen/Michael Bahlo

Weitere Kongressthemen sind die Behandlung von Gedächtnisstörungen, Fatigue, Schmerzen oder von Blasen- und Sexualfunktionsstörungen bei MS und Parkinson. Zum Abschluss der Tagung diskutieren Experten, inwiefern die deutsche Gesetzgebung eine effektive und innovative Therapie verhindert. In Bezug auf die Zulassung von Arzneimitteln und die Einstellung der Kontrollbehörden sieht Prof. Reichmann ein Risiko für die deutsche Forschungslandschaft. Diese laufe Gefahr, den Anschluss zu verlieren. Auch die Off-Label-Anwendung von Medikamenten wird dann ein Thema sein. „In Schweden etwa werden die meisten MS-Patienten mit einem Medikament behandelt, das arzneimittelrechtlich dafür nicht zugelassen, aber nur ein Viertel so teuer ist wie andere Optionen. Praktisch entstehen daraus kaum Konsequenzen, dennoch bewegen sich Mediziner in einer rechtlichen Grauzone“, erläutert Prof. Odin.

NEURO 2016 findet statt am Samstag, 3. September von 9.30 bis 17.00 Uhr im Conference Center des Atlantic Hotel Sail City in Bremerhaven. Der Kongress ermöglicht den Erwerb von Fortbildungspunkten. In der angeschlossenen Industrieausstellung informieren zum Beispiel pharmazeutische Unternehmen und Reha-Zentren über neue Therapieangebote. Der Eintritt beträgt für Betroffene 10 Euro, für Therapeuten und Pflegende 15 Euro sowie für Ärzte 20 Euro.

Weitere Informationen: www.neuro2016.de.

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