Das Jugend-Schiffprojekt „Verandering“

Ein Plattbodenklipper unter Segeln

Ein Plattbodenklipper, ähnlich der Vandering; By User:flansch (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Seit gut 15 Jahren betreiben Freiwillige das Jugend-Schiffprojekt „Verandering“. Heiner Brünjes hat für uns drüber geschrieben.

„Engel haben Flügel – wir brauchen Segel!“ – das ist das Motto des gemeinnützigen Jugend-Schiffprojektes Verandering der Evangelischen Jugend Bremen. Verandering ist holländisch und heißt Veränderung. Der holländische Seeklipper soll die Menschen, die mit ihm fahren und ihn betreuen, positiv verändern, er soll neue Erfahrungen möglich machen und gemeinschaftsbildend wirken.

Nach längerer Vorbereitung dieses war es im Dezember 2001 endlich soweit: Die Verandering erreichte ihren ersten Liegeplatz an der Schlachte, von dem aus sie später nach Vegesack umzog. Seit 2002 steht sie Jugendgruppen für Fahrten und Veranstaltungen zur Verfügung.

Die Verandering

Die Evangelische Jugend in Bremen hat mit der Verandering ein eigenes Schiff. Der 1898 gebaute Segler ist knapp 25 Meter lang, sechs Meter breit, hat zwei Masten und hat einen Tiefgang von einem Meter. An Bord ist Platz für 20 Gäste und drei Crewmitglieder (einen Skipper und zwei Bootsleute), für Tagesfahrten können auch bis zu 30 Personen an Bord sein. Die Verandering hat ihren Liegeplatz heute in Vegesack und in der Saison in Bremerhaven.

Eine Gruppe von etwa 85 Aktiven betreut das Schiff. Dazu gehören auch die Bootsleute und Skipper, die die überwiegend jugendlichen Gastgruppen auf Wochenend- und Wochenfahrten auf der Unterweser und im Wattenmeer und in den Sommerferien in der Ostsee mit den Arbeiten auf einem Traditionsschiff vertraut machen und mit ihnen erlebnisreiche Fahrten unternehmen. Zudem sind beispielsweise Handwerker in der Projektgruppe, die sich um die technische Erhaltung des Schiffes kümmern. Es sind also keinesfalls nur Nautiker gefragt. Das Schiff ist ein lebendiges Industriedenkmal, weil es noch fährt und somit kein Ausstellungsstück. Dabei muss die Sicherheit natürlich gewährleistet sein. Das ist kostspielig und geht nur mit ehrenamtlich Aktiven.

Jugend-Schiffprojekt "Verandering"; Ein Mann und eine Frau an Bord eines Klippers

Dirk Jander und Kirsten Meier (c) H. Brünjes

Altes Wissen bewahren und jüngeren Menschen vermitteln

Dirk Jander ist seit langem dabei: „Ich bin in Kiel an der Küste geboren und segle seit dem zehnten Lebensjahr. Da lag es nahe, als Berufsfeld die Schifffahrt zu wählen. Ich studierte Nautik und erwarb das Kapitänspatent für große Fahrt. Bis 1975 fuhr ich unter anderem auf Stückgutfrachtern. Später studierte ich Berufspädagogik, See- und Hafenwirtschaft sowie Mathematik und arbeitete als Seefahrtlehrer an Berufsschulen. Das Segeln hatte ich aber nie aufgegeben. Nach meiner Pensionierung machten mich Freunde auf das Projekt Verandering aufmerksam und motivierten mich zum Mitmachen. Es machte mir von Beginn an viel Freude. Die erfahrenen älteren und die jüngeren Crewmitglieder sind aufeinander angewiesen und müssen sich gut ergänzen. Die Möglichkeit, altes Wissen über die konventionelle Seefahrt anzuwenden und jüngeren Menschen vermitteln zu können und somit zu bewahren, ist toll. Hier wird fachlich das erwartet, was ich gelernt habe, aber in der modernen Schifffahrt heute leider nicht mehr benötigt wird.

Mehr noch: Die Zusammenarbeit mit den sehr unterschiedlichen Menschen auf dem Schiff, sei es als Crew, sei es als Gäste, und ihnen einen Einblick in die Nautik geben zu können, bereichert mein Leben – das möchte ich nicht mehr missen. Ich mache mit, so lange es noch geht.“

Vieles über den Umgang mit Menschen lernen

Kirsten Meier macht derzeit gerade ihr Abitur und ist eine der Jüngsten auf dem Segler. „Ich bin über eine Konfirmanden-Freizeit auf das Schiff gekommen. Die Fahrt auf der Verandering sagte mir von Beginn an zu und durch fünf Jahre Mitreisen als Gast und zwei Jahre Mitarbeit im Projekt mit Ausbildung zur Bootsfrau bin ich allmählich in das Segeln hineingewachsen. Während der Touren leite ich die Gäste zum Segeln an und achte auf deren Sicherheit. Dabei lerne ich, Führungsaufgaben zu übernehmen und als Teamplayer zu arbeiten. Im Krankheitsfall muss ich sogar die Schiffsführung übernehmen! Neben dem nautischen Wissen, wie zum Beispiel das Setzen der Segel, kann ich vieles über den Umgang mit Menschen lernen. Das wird mir später im Berufsleben sicher nützen. Ich möchte wegen der schwierigen Lage in der Seefahrt aber Elektronikerin werden.“

Jugend-Schiffprojekt "Verandering"; Eine Frau und ein Mann am Steuerrad

Kirsten Meier und Dirk Jander (c) H. Brünjes

Insgesamt macht die Verandering rund 45 Törns im Jahr und ist dabei an 150 Tagen unterwegs. Im Winter fallen handwerkliche Arbeiten zur Schiffsunterhaltung an, dafür braucht man handwerkliches Geschick. Man trifft zudem auch Freunde und erzählt sich nicht nur nautische Erlebnisse. Aber das Fahren macht am meisten Spaß, darin sind sich Dirk Jander und Kirsten Meier einig.

Übrigens: Falls Sie Interesse an einer Fahrt haben – an Bord gibt es einen großen Aufenthaltsraum für 25 Personen, eine Küche und Kabinen mit 20 Schlafplätzen für die Gäste.

Mehr Infos:
http://www.kirche-bremen.de/orte/verandering/Verandering_Projekt.php

Infos über das freiwillige Engagement in Bremen gibt es bei der Freiwilligenagentur Bremen.

  1 comment for “Das Jugend-Schiffprojekt „Verandering“

  1. Falk Ohlig
    29. Mai 2017 at 10:33 am

    Hallo Dirk,

    ….eine schöne Erinnerung an eine gemeinsame Seefahrtschulzeit in Bremen….!

    Allerbeste maritime Grüße vom

    Falk

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