Nachtwanderer in Huchting

Für unsere kleine Serie zum Engagement in Bremen hat Heiner Brünjes sich mit der Initiative “ Nachtwanderer Huchting “ getroffen, die Jugendliche durch die Nacht begeleitet.

„Wir wollen, dass Jugendliche gut durch die Nacht kommen“

Nachtwanderer sind Erwachsene, die an den Wochenenden nachts auf den Straßen sowie in den Bahnen und Bussen im Stadtteil unterwegs sind, um für Jugendliche als Ansprechpartner da zu sein. Sie möchten durch ihre Anwesenheit das soziale Klima verbessern, eine angenehme Atmosphäre schaffen, ein sicheres Gefühl vermitteln, beruhigend einwirken und Vertrauen zu den Jugendlichen aufbauen.

Nachtwanderer in Huchting, 10 Personen in roten Jacken

(c) Heiner Brünjes

Im Jahr 2005 wurde die Initiative „Nachtwanderer Huchting“ gegründet.

Sie bestand anfangs aus Beiratsmitgliedern, Kontaktpolizisten aus Huchting sowie Mitarbeitenden der Arbeiterwohlfahrt und der BSAG. Die Gruppe orientierte sich am bereits bestehenden Projekt in Bremen-Nord, das dort 2004 ins Leben gerufen wurde. Im Jahr 2011 wurde aus der Huchtinger Initiative der gemeinnützige Verein „Nachtwanderer Huchting e.V.“.

Ulla Ulland ist von Anfang an als Gründerin und Vorsitzende dabei. „Im Gründungsjahr 2005 arbeitete ich als Vollzeitkraft in der Verwaltung der Arbeiterwohlfahrt in Huchting. Damals gab es im Stadtteil einen zunehmenden Vandalismus. Als sich die Lage zuspitzte, und es vor allen nachts zu Bränden in Müllcontainern und auch in Schulen kam, musste etwas geschehen. Meine Chefin sprach mich an, ob ich Interesse an der Gründung einer Nachtwanderer-Gruppe für den Stadtteil hätte. Sie kannte mein Organisationsgeschick und mein Engagement im sozialen Bereich“, berichtet Ulla Ulland. Da sie aufgrund ihrer Altersteilzeit nach neuen Herausforderungen suchte, war sie dabei. „Dann kam ein Berg von Arbeit auf mich zu. Eine Initiative und später ein Verein waren zu gründen, Kontakte zum Beirat, zur Polizei und zur BSAG aufzubauen, Sponsoren zum Beispiel für Dienstkleidung, Öffentlichkeitsarbeit und Seminare zu finden. Anfangs wollte ich das Projekt nur anschieben, aber dann machte es mir so viel Spaß, dass ich dabei geblieben bin.“

Ein Vorbild für respektvolles Miteinander

Die Nachtwanderer-Huchting möchten sich auf unkomplizierte Art und Weise für die Jugendlichen engagieren. Sie bieten ihnen Unterstützung an und begleiten sie zur Disco, zu Freunden usw. oder nach Hause. Wenn Konflikte zwischen Jugendlichen eskalieren, greifen die Nachtwanderer nicht direkt ein – das Ziel ist die Vorbeugung. Sie sind einfach da, wenn die Jugendlichen jemanden zum Reden brauchen, sich über ihre Ängste und Probleme austauschen wollen. Der Verein tritt für ein respektvolles Miteinander ein, ohne die Privatsphäre der Jugendlichen einzuschränken oder zu stören. Die Nachtwanderer wollen mit ihrem Auftreten ein Vorbild sein und haben sich Regeln geschaffen, denen sich alle Gruppenmitglieder verbunden fühlen. Sie sind nie mit erhobenem Zeigefinger unterwegs.

Die freiwillige Arbeit ist für Ulla Ulland mit einem hohen Aufwand an Zeit verbunden. Vor allem am Anfang war viel Aufbauarbeit zu leisten. Aber die beachtlichen Erfolge motivieren sie zum Weitermachen. Im Laufe der Jahre ist ein Vertrauensverhältnis zu den Jugendlichen entstanden. „Sie kennen und grüßen mich, vertrauen mir ihre Sorgen an. Das soziale Klima nachts ist in Huchting deutlich besser geworden, der Vandalismus ist zurückgegangen. Das ist für mich der schönste Lohn meiner Arbeit. Ich möchte Ansprechpartnerin für die Jugendlichen sein.“

Logo mit bunten Stern-Symbolen

(c) Freiwilligenagentur Bremen

Im Verein Nachtwanderer-Huchting sind derzeit rund 20 Mitglieder aktiv. Wer Lust am Kontakt mit Jugendlichen hat, ist in der Gruppe gut aufgehoben. Ulla Ulland: „Es ist schön, bekannt zu sein. Und das gilt nicht nur für die Jugendlichen in Huchting, sondern auch bei vielen anderen Menschen, die zum Beispiel in Bahnen und Bussen unterwegs sind.“

Nachtwanderer gibt es außer in Huchting auch in Stuhr, Bremen-Nord, Bremen-West, in Bremen-Osterholz und bereits in 22 Städten in Deutschland. Gestartet aber wurde das Projekt in Bremen.

Mehr Infos:

Mehr Infos zum freiwilligen Engagement in Bremen finden Sie bei der Freiwilligenagentur Bremen.

Heiner Brünjes

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