Eine Prise Oma-Glück

Mädchen und Jungen in Indien

Mädchen und Jungen in Indien im Bundesstaat Andhra Pradesh (c) Plan

Nein, ich bin keine Oma. Obwohl neulich ein kleines Mädchen aus seiner Karre heraus „Oma, Oma!“ schrie und auf mich zeigte. Ich habe keine Enkel. Im Oma-Alter bin ich durchaus.

Ich habe mir andere Wege gesucht zum Kontakt mit meiner Enkel-Generation.

Ein indisches Patenkind

Einige Jahre hatte ich eine Patenschaft für ein indisches Mädchen, vermittelt von Plan International. Kira war drei Jahre alt als ich sie kennenlernte. Ihre Eltern schrieben mir auf Hindu, wie es ihr ging, was sie spielte und dass sie in der Vorschule lernte. Als ich ihr einen Ball schickte, hat sie eine Gruppe von Nachbarskindern regelmäßig zum Ballspielen abgeholt. Genau das war meine Absicht. Diese Briefe wurden ins Englische übersetzt, und ich schrieb englische Briefe zurück. Ich bekam auch Fotos von ihr und ihrer Familie. Von Plan International kamen regelmäßige Berichte, wie sich das Schul- und ein Wasserprojekt weiter entwickelten. Nach fünf Jahren endete meine Patenschaft, weil das Förderprogramm nun in indische Hände überging.

Ich erfahre viel aus aller Welt

Seit Jahren treffe ich mich mit jungen Ausländern, die hier arbeiten und heimisch werden wollen. Sie haben Deutschkurse an der Volkshochschule mit Erfolg besucht. Jetzt fehlt ihnen noch die Praxis im deutschen Gespräch. Ich lerne dabei viel: über indische Hochzeiten mit 300 Eingeladenen, über traditionelle iranische, russische und tunesische Gerichte. Mohamed hat einen Schafskopf für seine Freunde gekocht, hier in Bremen. Und Rahele ist Christin geworden. Im moslemischen Glauben hat sie sich nicht mehr wiedergefunden.

Ausschnitt aus einem Kinderbrief

(c) Elfie Siegel

Als Siebenjährige schrieb sie mir

Und ich habe eine 25jährige Schreibfreundin. Ein dicker Ordner ist voll von ihren Kinderbriefen. Den ersten schrieb sie mir als siebenjährige Nachbarin. Ihre Rechtschreibung war sehr fantasievoll. Ich musste mir manches laut vorlesen um zu verstehen, was sie meinte. Neulich habe ich ihr einen ihrer 18 Jahre alten Kinderbriefe nach Berlin geschickt; dort studiert sie. Sie war total erfreut. Sie schrieb mir einen handgeschriebenen(!) dreiseitigen (!) Brief zurück. Da hatte ich eine Prise Oma-Glück.

(alle Namen geändert)

 Elfie Siegel

 

  1 comment for “Eine Prise Oma-Glück

  1. Dorothee
    28. Februar 2016 at 11:56 am

    Vielen Dank für diese schöne Geschichte!. Dorothee

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