Oh Gott, ich habe gar keine Aussteuer

keine Aussteuer?, Wäsche und Silber

(c) Barckhausen

Ob es heute noch so ist, kann ich gar nicht sagen, aber früher sammelten junge Mädchen ihre Aussteuer zusammen, das heißt sie legten sich einen Teil des Hausrates für eine spätere Hochzeit beiseite.
Ich war bei meiner besten Freundin zur Konfirmation eingeladen, als ich das erste Mal mit einer Aussteuer konfrontiert wurde. Ich staunte Bauklötze, als sie die Geschenke auspackte. Da kamen lauter silberne Teelöffel zum Vorschein. Lag ich mit meiner Beatles LP so falsch?  Sie schien sich darüber aber doch sehr gefreut zu haben.

Und ich hatte noch keine Aussteuer

Ach du Schreck, auch Bleikristallgläser wühlte sie aus dem Papier. „Ja, diese Serie meinte ich“, verkündete sie ganz verzückt. Zum Glück vergaß ich über den Tag, was mich so beschäftigte. Aber zu Hause angekommen, führte ich mit meiner Mutter ein vertrauliches Gespräch.  Sie war eine moderne Mutter. Sofort nahm sie mir die Angst, etwas zu versäumen. „Wenn es so weit ist, dass du heiraten willst, ist es immer noch früh genug sich um den Hausrat zu kümmern. Das Interesse dafür kommt dann von ganz alleine“, sagte sie mir.
Ach, wie gut, dass ich sie hatte!!!!!!

Gertrud von Hacht

  2 comments for “Oh Gott, ich habe gar keine Aussteuer

  1. Joschi
    24. Januar 2016 at 11:32 am

    Ich erinnere mich an meine Teenagerzeit und die Vorbereitungen hins. „Hausstand“ in der „Landmädchengruppe“. Wir fieberten dem Zeitpunkt entgegen endlich hinaus in die „weite Welt“ zu ziehen, das waren aus unserer Sicht „große“ Städte wie Bremen, Münster, Göttingen oder Oldenburg.
    Studieren! Möglichst frei und unabhängig von unseren alten Alltagszwängen wie Schule, Elternhaus. Hoch motiviert sammelten wir in Kisten Bücher und andere Gegenstände die unbedingt mitmussten: Kleine Töpfe, zwei schöne Porzellanbecher, zwei Weingläser, zwei große Essteller (gekauft bei „Nanunana“) kleine Schalen für Fingerfood etc. Minimalistisch! Als Einzige in unserer Freundinnengruppe bereitete ich Kleinmöbel
    auf meinen Umzug in die Welt des Studenten_innenlebens vor: Schmirgelte und schliff und lackierte alte Stühle aus meinem Kinderzimmer, bis sie in völlig neuem anderen Glanz strahlten. Upcycling nennt man das heute. ——— Vor Weihnachten trafen wir uns alle in unserem alten Stammcafe. Junge Frauen Ende 50, Anfang 60. Alle vier Frauen sind kinderlos und dementsprechend auch keine Großmütter, ich bin die einzige Mutter in der Runde. Spannend! Zwei Frauen packen wieder Kisten, wie damals, als ein neuer Lebensabschnitt begann mit der Studentinnenzeit. Sie planen die Gründung einer „Weiber-WG für junge Alte“. Ich bin neugierig auf das nächste Treffen!

    • Sophie Mory
      1. Februar 2016 at 4:30 pm

      Zur Konfirmation hätte ich auch lieber eine Beatles-Schallplatte bekommen, anstatt der vielen Hand- und Geschirrtücher, Taschentücher und Tischdecken sowie Silberbesteck.

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