Linda Zervakis: Vom Kioskkind zur Tagesschausprecherin

Eine Frau und zwei Männer stehen vor Publikum

Linda Zervakis, Guido Schulenberg, Jens Schellhass (c) Joachim Kothe

„Ich bin die erste Tagesschausprecherin mit ‚Migrationshintergrund’ – und ich hasse diese Wort“. So stellte sich Linda Zervakis ihren Gästen in der Stiftungsresidenz Landhaus Horn vor, bevor sie über 45 Minuten aus ihrem Buch „Königin der bunten Tüte“ vorlas.

Sie war ein besonderer Gast, der zu einem ebenso besonderen Anlass am 10. Dezember den Weg von Hamburg nach Bremen antrat: Linda Zervakis las nachmittags aus ihrem Buch – als Dankeschön an Bewohnerinnen und Bewohner, die an der Online-Chronik „70 Jahre Kriegsende im Nordwesten“ von Radio Bremen mitgewirkt hatten.

Frau mit Buch

Linda Zervakis liest aus ihrem Buch (c) Joachim Kothe

„Die Senioren gaben Anfang 2015 als Zeitzeugen tiefe Einblicke in die beängstigende Vergangenheit. Nur so war es möglich, dem Geschehen vom 30. Januar 1945 bis zur Kapitulation die Abstraktion zu nehmen und es begreifbar zu machen“, erklärte Radio Bremen-Redakteur Jens Schellhass, der für das Radioprojekt Notizen, Briefe, Akteneinträge, Interviews sowie Reportagen sammelte und in Form eines Tagesbuches 100 Tage lang im Nordwestradio zu Gehör brachte.

Nun war es ihm und Nordwestradioleiter Guido Schulenberg wichtig, etwas zurückzugeben. Beide suchten den Kontakt zur deutsch-griechischen Journalistin und Autorin Linda Zervakis, die derzeit mit Geschichten aus dem Kiosk ihrer Eltern in Hamburg-Harburg in den Buchhandlungen vertreten ist.

Publikum und Lesende im Vordergrund

Linda Zervakis liest vor Bewohnern und Gästen der Stiftungsresidenz LANDHAUS HORN (c) Joachim Kothe

In ihrem im September erschienenen Buch beschreibt die Nachrichtensprecherin, wie sie statt wie heute via Fernsehbildschirm „in die Wohnzimmer der Nation zu gucken“ bis zu ihrem dreißigsten Lebensjahr aus dem Lädchen ihrer Eltern in Hamburg-Harburg schaute. Was sie da gesehen hat? Migranten, Arbeitslose und „Leute, die zum Frühstück Kräuterschnaps bestellen“, so die Autorin. Nicht zu vergessen seien natürlich gute, herzliche Typen, die sich umeinander kümmerten und ihre ‚Reval ohne‘, Feuertöpfe sowie bunte Tüten mehr als zwanzig Jahre lang bei Familie Zervakis kauften.

Zwei Frauen im Gespräch

Linda Zervakis im Gespräch (c) Joachim Kothe

Diese „Kioskromantik“ brachte sie ihren Zuhörern aus der Stiftungsresidenz Landhaus Horn im Rahmen einer privaten Lesung mit charmanten, traurigen, lustigen aber immer wahren Begebenheiten näher.

Anschliessend stand Frau Zervakis noch für Fragen zur Verfügung, hörte aber auch mit Interesse, was die ZuhörerInnen von ihren Begegnungen in Griechenland erzählten. So ergab sich ein lebhafter Austausch, der schließlich darin mündete, dass Zervakis noch etliche von den Gästen erworbene Bücher signierte.

Gisela E. Walther

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