Grüße aus meiner Vergangenheit

Titelblätter Brigitte Wir und Constanze

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BRIGITTE WIR – Ein neues Magazin für Frauen ab 60 – Das ruft bei mir Erinnerungen wach.

Ob sich heute noch jemand an die Frauenzeitschrift Constanze erinnert?

Meine Mutter und ich haben sie mit Hingabe gelesen. Das war in den fünfziger Jahren. 1969 verschwand sie vom Markt. Nur im Titel der Frauenzeitschrift Brigitte durfte sie noch bis 1978 ein bisschen weiterleben.
Ist Constanze nun wieder da? Geschaffen von ihren Enkelinnen? Auf diesen Gedanken bin ich jedenfalls gekommen, als ich Brigitte Wir im Zeitschriftenkiosk liegen sah. Mit dem Hinweis: Neu – Das Magazin für Frauen ab 60 – Neu.

Tatsächlich: Ein Magazin nur für alte Frauen, denn bevor ich das Heft überhaupt aufgeblättert hatte, bekam ich schon ein dickes Lob: ….wir ziehen den Hut vor Ihnen. Sie haben sich durch alle Stürme des Lebens gekämpft und sind aktiver als jede Generation davor. Höchste Zeit für ein Magazin über Ihr Leben, Ihre Themen, Ihre Interessen.
Klingt gut, doch gekauft habe ich das Heft auch, weil mir das Titelbild mit dem Model Carla von Bergmann (64) ganz besonders gut gefällt. Wer auch im Alter noch so fröhlich lachen kann, braucht sich vor der Zukunft nicht zu fürchten. Dachte ich, las aber auf Seite 117, dass Carla von Bergmann vor einigen Jahren an Brustkrebs erkrankt ist…

Doch wie komme ich von Brigitte Wir zur Constanze?

Ich habe Anfang der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts (huch, wie lange ist das denn her?) als Jungredakteurin bei der Constanze gearbeitet. Constanze war nämlich zur auflagenstärksten Frauenzeitschrift empor gestiegen. Dadurch waren die Anzeigenpreise in die Höhe geschnellt und Constanze durch die Anzeigen dick und fett geworden. Daher entschloss sich der Verleger John Jahr, Constanze nicht mehr alle vierzehn Tage, sondern jede Woche erscheinen zu lassen. Und weil sich niemand in der Redaktion überarbeiten sollte, wurden ein paar Jungredakteurinnen eingestellt. Hauptaufgabe war, dass man im Constanzestiel schreiben konnte. Mir gelang das, weil ich das Magazin ja schon lange Jahre gelesen hatte. Ich bekam meinen Platz in der Kosmetikredaktion, zuständig für Texte und Leserbriefe. Keine aufregende Sache. Nach zwei Jahren kündigte ich und heiratete. Sehr zum Ärger meines Großvaters und Vaters, weil ich die sichere Stellung einfach aufgegeben hatte. Heute verstehe ich ihren Ärger: Ich hatte mein eigenes Einkommen aufgegeben. Aber ich war sicher, dass ich eines Tages mit meinem Mann „Goldene Hochzeit“ feiern würde. Ohne eigenes Geld verdienen zu müssen. Ich habe recht behalten.

Nun noch einmal zu meinem Vergleich von Brigitte Wir und Constanze

Ihre Inhaltsverzeichnisse ähneln sich. Im Angebot sind Lebensberichte über erfolgreiche Frauen, dazu Themen aus Kultur, Kosmetik, Psychologie, Medizin, Reise. Nur die Mode spielt in Brigitte Wir keine große Rolle. Sie kommt erst am Ende des Heftes ins Blickfeld. In der Constanze war das immer das erste Thema.
Zum Thema „Wohnen“ haben beide Zeitschriften auch etwas zu sagen. In der Constanze vom März 1963 wird eine Eigentumswohnung gelobt, in Brigitte Wir bekommt man zu diesem Thema ein kleines Serviceheft als Extreinlage. Man erfährt, wie man am besten als alter Mensch eine Wohnung einrichtet. Nur Dr. Eva Wlodarek, Psychlogin, ist mir mit einigen ihrer Überlegungen auf den Geist gegangen. Sie schlägt mir zum Beispiel vor, gründlich meine Sachen zu entrümpeln. Für sie bin ich ein Einzelwesen, das keine Rücksicht auf die Gefühle anderer nehmen muss. Familienerbstücke gibt es für sie nicht. Die kostbare Vase, die meine Schwiegermutter mit in die Ehe gebracht hat: weg damit !? Dazu die Lexikonreihe von 1897, weil Bücher nur Papier sind… Weg damit !? Das habe ich gar nicht gerne gelesen.

Das BRIGITTE WIR Team besteht aus sechs Frauen über 55!

So, liebe Damen, wenn ich das vorher gewusst hätte, hätte ich ihr Magazin vielleicht nicht gekauft, denn fast 55 Jahre alt sind meine Töchter, die anders leben als ich. Ab 60 gehört man zu einer anderen Generation, Altersangaben nach oben offen. Aber machen Sie nur so weiter. Ihre nächste Ausgabe soll am 25. November erscheinen. Ich lasse mich überraschen.

  2 comments for “Grüße aus meiner Vergangenheit

  1. Freiwillige
    3. Oktober 2015 at 11:35 am

    Ingrid
    Es ist noch nicht lange her, da habe ich Brigitte Woman, für die Frau ab Vierzig gelesen. Die fand ich meistens gut.
    Nun kommt also ein neues Exemplar auf mich zu, für die Freau ab Sechzig. Entrümpeln möchte ich aber auch noch nicht, wenn auch nur Erinnerungen an manchen Stücken hängen.
    Sollen wir uns schon mal auf den Sarg vorbereiten und alles klinisch rein hinterlassen?
    Ich glaube, ich lese lieber Zeitschriften für alle Generationen. So bleibt man auf der Höhe, und im Gespräch und versteht die jungen Leute besser. Liebe Grüße Ingrid

  2. Dorothee
    6. Oktober 2015 at 7:01 pm

    Ich bin genau Deiner Meinung. Dorothee

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