Prüfungen in der Jugend

Einschulung

Ein Stapel Bücher

(c) frauenseiten, Robers

„Heute gehen wir in deine zukünftige Schule. Dort wird dir gezeigt, wo du ab dem nächsten Jahr deine Vormittage verbringen darfst. Dann beginnt der sogenannte Ernst des Lebens.“ Selbstbewusst erklärte mir meine Mutter, was heute auf mich zukam.
In der Schule befanden sich noch mehrere Kinder und deren Mütter. Vor der großen Tafel saßen zwei Erwachsene, die ich noch nie gesehen hatte.
Der Mann – es stellte sich heraus, dass er mein zukünftiger Lehrer sein sollte – malte drei mal drei Kreise in einem Quadrat an die Tafel, die wir abzeichnen sollten. Ein Kind neben mir malte alle Kreise nebeneinander.
Es wurden noch ein paar Malübungen und Schreibübungen vorgenommen, dann wurden wir Kinder auf den Hof geschickt. Die Mütter blieben im Klassenraum zurück.
Nach einer Weile kamen die Mütter ebenfalls auf den Hof und riefen ihre jeweiligen Kinder zu sich. „Du hast die Prüfung bestanden. Du darfst zur Schule gehen. Du wurdest nicht zurückgestellt“, teilte mir meine Mutter zufrieden mit. Ich glaube, es wurde nicht ein einziges Kind zurückgestellt.

Schule

Die Prüfung zum Besuch einer weiterführenden Schule, also Mittelschule oder Gymnasium, war schon umfangreicher. Zuerst wurden die Schüler getestet, ob genügend Wissen und Begabung vorhanden waren. Dazu mussten etliche Tests absolviert werden.
Die Eltern wurden zu einem Gespräch eingeladen. Man überlegte und diskutierte, ob das Kind tatsächlich schon reif genug sei, eine höhere Schule zu besuchen. Ob es ängstlich war, ob es irgendwelche Probleme hatte.
Ein weiterer Aspekt war, ob das Kind bereits geeignet war, den Schulweg mit dem Bus zu bewältigen. Außerdem mussten die finanziellen Mittel für die Fahrtkosten, das Schulmaterial und die eventuell anstehenden Klassenfahrten vorhanden sein.

Konfirmation

Am Sonntag vor der Konfirmation wurde im Rahmen des sonntäglichen Gottesdienstes die sogenannte Prüfung abgehalten. Dort wurden etliche Fragen aus dem kleinen Katechismus, der Bibel, dem Glaubensbekenntnis und zu allgemeinen religiösen Inhalten gestellt. Konnten die Fragen von den Konfirmanden nicht beantwortet werden, behielt sich der Pastor vor, die Konfirmation abzulehnen. Da niemand sich selbst, die Eltern oder die Familie blamieren wollte, lernten die Konfirmanden, was in den zwei Jahres des Konfirmandenunterrichts vermittelt worden war. Außerdem wollte man ja das erste große Fest im Leben, an dem man bewusst teilnahm, nicht gefährden.
Fast wäre ein Mitkonfirmand dann trotz bestandener Prüfung doch nicht konfirmiert worden, weil er eine dunkelrote Krawatte trug. Vorgeschrieben war seinerzeit schwarze Kleidung. Das galt auch für die Krawatte. Erst auf Vermittlung des Vaters lenkte der Pastor endlich ein.

Sophie Mory

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