Durchkreuzen

hölzernes Kreuz in einem Wädchen

(c) Seniorenlotse, v. Hacht

Welch weise Worte hält doch unsere Sprache bereit, wir benutzen sie, nehmen wir uns mal eines hervor und bedenken es, zeigt sich, wie weise hier der Sprachgeist Ausdrücke geschaffen hat, die es so oft in anderen Sprachen gar nicht gibt. Hier im christlichen Abendland macht dieses Wort geradezu und besonders jetzt in der Fastenzeit indirekt auf das Kreuzgeschehen aufmerksam.

Da geht etwas durch das Durchkreuzen durch den Tod, es kann so nicht weiterbestehen, da kommt es zu einem gewissen Abschluß mit der Option auch eines Weitergehens, aber nicht wie gedacht, nicht wie bisher offen, quasi erstmal Null.

Lebenssituationen, Pläne, Vorhaben, Ideen, schlicht alles kann in Sekunden durchkreuzt werden. Oft nennt man es auch „Einen Strich durch die Rechnung machen“, wobei eben gerade dieser Strich kreuzt. Wo sich etwas kreuzt, entsteht auch geballtes Innehalten, Potentialität, die nur darauf wartet, ihre Richtung zu orten. Gerade dieser Kreuzungspunkt hat es in sich. Hält man ihn aus, kann man Tod, Grabesruhe und Auferstehung erleben. Für diese Gedanken nimmt man sich im Alltag gar keine Zeit, auch vielleicht deshalb, weil sie gar nicht dran sind. Sie erweitern aber wunderbar Situationen, durch die man selber gerade durch muß und sie am eigenen Leibe erfährt. Läßt man sich ein, kann man anfängliche Absolutheit erweitern lernen, denn nichts ist irgendwie endgültig zu Ende, es will alles Übergang sein und werden und Kreuzungen in unserem Leben einbauen. Da geht die gerade Straße nicht weiter, es ist eine Entscheidung zu treffen an dieser Kreuzung, und das ist auch gut so, damit wird Eingefahrenes aufgebrochen und darf auch sterben, sich zur Grundlage für Neues machen.

Holzkreuz geschmückt mit Blumen

(c) Seniorenlotse Gisela Walther

Wie schwer einem auch solche Einsichten fallen mögen, sie sind bei fleißiger Betätigung der Denkfähigkeit wirklich auch neue Angebote, wo etwas in eine andere Richtung gehen will und für uns selber auch keine Strafe sein muß, nein, ein Aufbruch und eine Wende, die viele Jahre danach sogar staunen läßt, wie weise Kreuzungen und Durchkreuzen wirken. Sie fordern auf jeden Fall heraus und erfordern Entscheidung, Stellungnahme, ein Weiter aber eben anders.

Denkt man in manchen Situationen auch, es ginge überhaupt nicht mehr weiter, so ist das auch wieder ein Kreuzungspunkt, der einem nicht erspart bleibt, aber auch nicht nach vorne dicht macht, nein, Anstoß bildet und öffnet, oft das mit dem Kopf durch die Wand Wollen abwendet.

Es lohnt, einmal in Ruhe einzelnen Worten gedanklich Zeit zu schenken und erfreut festzustellen, wie herrlich vielfältig und reich gerade unsere Sprache Wortschöpfungen anbietet und auch anregt, neue hinzuzuschaffen. Man merkt, daß Sprache lebendig und wesenhaft ist. Bedienen wir uns unserer Worte und kommen miteinander ins Gespräch oder schreiben eben.

Elisabeth Kriechel

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