MITMenschen: Inge, 61 Jahre, Mitarbeiterin der Telefonseelsorge

Hier stellen wir ältere Mitmenschen vor, die etwas für Andere tun.

Telefonseelsorge Frau am Telefon

(c) Elfie Siegel

Inge arbeitet anonym

Wir verabreden uns telefonisch. Damit wir uns erkennen, beschreibt sie sich: „Ich habe grauweißliche Haare. Und wir werden uns schon erkennen.“ Das hat dann auch geklappt. Sie ist 61 Jahre alt, hat einen sozialpädagogischen Beruf. Und sie arbeitet ehrenamtlich bei der Telefonseelsorge. Seit 13 Jahren schon! Ihren Namen soll ich nicht veröffentlichen: „Wir arbeiten anonym. Nennen Sie mich Inge.“

Die Ausbildung war sehr anspruchsvoll

Inge hatte seinerzeit im Weserkurier gelesen, dass die Telefonseelsorge Ehrenamtliche sucht. Sie wollte schon immer etwas außerhalb ihrer beruflichen Tätigkeit tun. Ihre systemische Beraterausbildung war sicher eine gute Grundlage und aus ihrer Sicht hilfreich. Die einjährige Vorbereitungszeit war anspruchsvoll. Denn es gab hohe Anteile von Selbsterfahrung und eine intensive Vorbereitung auf die Gespräche am Telefon.

Telefonseelsorge Plakat

(c) Telefonseelsorge/Seniorenlotse

Zeit wird immer wichtiger

Es rufen immer mehr einsame Menschen an. So könnte eine Frage sein: „Kann ich mit Ihnen reden? Haben Sie etwas Zeit für mich? Ich habe seit drei Tagen nur mit der Kassiererin im Supermarkt gesprochen.“ Oder es gibt Probleme in Beziehungen: Paarprobleme, familiäre Probleme zwischen Eltern und Kindern, aber auch zu erwachsenen Kindern. Heutzutage spielen aber auch Arbeitslosigkeit, Armut und psychische Befindlichkeiten eine immer größere Rolle.

Sie ermutigt die Menschen, für sich zu sorgen

Inge: „Ich gehe auf das Gefühl der Mutlosigkeit ein und frage, was ihnen Spaß macht in ihrem Leben.“ Leute, die mit Ängsten und Panik zu kämpfen haben, versucht Inge zu erden mit Fragen wie „Haben Sie heute schon etwas gegessen oder getrunken? Wollen Sie sich nicht wenigstens einen Tee machen?“  Ihre vorrangigen Aufgaben sieht sie so: Intensiv zuhören, mit den Anrufenden in Kontakt kommen, Gefühle ansprechen, Mut machen und entlasten.

Telefonseelsorge Rufnummer

(c) Telefonseelsorge/Seniorenlotse

Eine sinnvolle Arbeit

„Uns wird viel anvertraut. Wir arbeiten anonym. Unsere Adresse ist auch anonym, zu unserem Schutz. Die Telefonseelsorge ist eine Einrichtung der Bremischen Evangelischen Kirche. Wir bekommen auch Supervision von Fachkräften. Dort können wir dann alle Dinge besprechen, die wir nicht mehr loswerden. Wir haben Arbeitsräume, in denen wir uns wohlfühlen. Sie werden gut von den Hauptamtlichen gestaltet. Mir macht die Arbeit Spaß, weil sie sinnvoll ist. Ich freue mich über meine Kompetenz.“

Über kleine Schwestern und große Brüder

Es rufen auch Menschen an, die etwas Positives erlebt haben. Leute, die sich freuen, wenn es ihnen wieder besser geht und die sich für ein Gespräch bedanken. Eins ihrer schönsten Gespräche hatte sie mit einem Jungen von sieben Jahren. Seine Mutter war hochschwanger. Das Kind sollte auf die Welt kommen. Vater und Mutter mussten eilig in die Klinik. Der Junge wartete auf die Tante, die ihn betreuen sollte. Er sagte: Ich will eigentlich keine Schwester. Inge und er haben sich dann unterhalten über kleine Schwestern und große Brüder.

Inge, ihre Kolleginnen und Kollegen brauchen weitere Freiwillige, die sich am Infotelefon 0421/32 16 18 informieren können.
Für Hilfesuchende heißt der Slogan: Aus Worten können Wege werden. Die freecall-Nummer für Anrufer und Anruferinnen: 0 800 111 0 111 oder 0 800 111 0 222

Elfie Siegel

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