Gedanken über den Tod

Teelichter

(c) Robers, frauenseiten

Im Vergleich der Kriegstoten mit den Suizidopfern überstieg im Jahr 2000 erstmals die Zahl der Suizidopfer die der Kriegstoten. Was für eine Welt!?

Immer wieder und aus verschiedenen Anlässen werden bei mir Gedanken über den Tod angeregt. Gerade jetzt durch ein Buchgeschenk zu Weihnachten: Flensburger Hefte – MITWELT ERLEBEN – Die Welt und wir sind eins.

Im Teil 1 – Schwellenübergang – las ich auf Seite 44: „Im weltweiten Vergleich der Kriegstoten mit den Suizidopfern überstieg im Jahr 2000 erstmals die Zahl der Suizidopfer die der Kriegstoten. Erstmals hatten in diesem Jahr mehr Menschen ihrem Leben aus purer Verzweiflung ein Ende gesetzt, als Menschen durch Fremdgewalt in den Kriegen dieser Welt ums Leben kamen. Und heute stehen jährlich 108.000 Kriegstoten sogar eine Million Suizidopfer gegenüber. Es ist zudem noch zu berücksichtigen, dass es zehnmal so viele Menschen sind, die einen Selbsttötungsversuch unternehmen, Gott sei Dank aber gerettet werden.

„Damit Sie sich das etwas besser vorstellen können: Alle 5 Minuten stirbt in unserer Welt ein Mensch in einem Krieg, während sich alle 30 Sekunden ein erfolgreicher Suizid ereignet“. – Zitatende.

Felsen vor bewölktem Himmel

(c) Bettina Stiller

Das hat mich erst einmal tagelang nachdenklich gemacht. Davon hört man eigentlich nicht, ist ja auch nicht spektakulär, findet ganz im Stillen statt und ist medienuntauglich. Was muss in einem Menschen vorher alles vorgehen, bis er so verzweifelt wird, dass er seinem Leben selbst ein Ende setzt?

Ich habe mehrere Angehörige lange betreut, die ein Familienmitglied oder eine Freundin/Freund durch Suizid verloren haben. Wie sich da zermartert wird, ob man es hätte verhindern können, was man falsch gemacht hat und noch mehr Fragen, immer wiederkehrend, immer weiter bohrend. Da geht ein Mensch freiwillig und alle, die er zurücklässt, können nicht mehr so leben wie vorher. Die Rätsel um die Beweggründe werden selten gelöst. Auch wenn ein Abschiedsbrief vorliegt, bleiben noch genug Fragen.

Was ist los in unserer Welt? Welche Vereinsamung, welche unlebenswerten Verhältnisse, welche Verzweiflung und Aussichtslosigkeit. Wie könnte man hier auffangen und aufrichten? Unendlich viele Fragen und Überlegungen gingen, gehen mir durch den Kopf. Ich hatte von dieser Gegenüberstellung keine Ahnung. Bin ich da allein?

Jedenfalls hilft es mir, diese Zahlen einmal zu veröffentlichen.

 

Elisabeth Kriechel

  1 comment for “Gedanken über den Tod

  1. Erna
    28. Januar 2015 at 9:14 pm

    Das sind ja schreckliche Zahlen. Wenn wir vor diesem Hintergrund überlegen, wievel Menschen verzweifelt sind o h n e dass sie Selbstmord versuchen oder vollziehen…..Das heißt für mich, dass wir sehr aufmerksam miteinander umgehen sollten. Denn besonders bei uns Alten ist die Selbstmordquote (und auch die stille Verzweiflung ohne eine solche Tat) besonders hoch.

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