MITmenschen – Die BouleBoysBorgfeld

Gelbes Logo mit Schrift

(c) Seniorenlotse

In der Reihe MITmenschen berichtet Elfie Siegel über eine Gruppe Männer, die nicht nur Boule spielt.

Wie können wir in unserem Quartier alt werden?

Wir sind in einem Seminar zum Thema Stadt an der Senioren-Uni in Bremen: Wie sieht unser Leben aus und wie können wir Älteren unseren Stadtteil für uns nutzen? Adolf Pösel, mein Nachbar, erzählt mir von seiner Boule Gruppe in Borgfeld, selbst organisiert in einem kleinen Park. Das ist interessant! Darüber möchte ich schreiben.

Die Boule-Gruppe, der Chor und das Indien-Projekt

BouleBoysBorgfeld, Drei Männer

v.l.n.r. P. Görbert, A. Pösel, H. Hütte, (c) Elfie Siegel

Mit Peter Görbert verhandle ich um unser Treffen. Nein, es geht jetzt noch nicht. Hans Hütte muss unbedingt dabei sein. Und der ist zurzeit mit seiner Frau für drei Monate in Indien. Sie besuchen das Land. Im überwiegenden Teil der Zeit kümmern sie sich um Impf-Projekte für Kinder in Slums. Und das hat auch ein wenig mit der Boule Gruppe zutun. Denn die Boule-Männer haben einen Chor gegründet. Sie geben in der Borgfelder Kirche einmal jährlich ein Benefiz-Konzert. Die Einnahmen kommen mit anderen Spenden der Fördergemeinschaft für Kinder in Indien zugute.

Am Park-Eingang steht Wilhelm Kaisen

An einem sonnigen, aber sehr kalten April-Morgen radle ich zu dem Boule-Platz gegenüber der Borgfelder Kirche. Fünf Gruppen spielen auf dem breiten Weg des schönen Parks sozusagen unter der Aufsicht von Wilhelm Kaisen. Sein Monument steht am Eingang. Konzentration pur strahlen die Spieler aus: Ein Punkt für uns! Zwei Punkte gewonnen! Oh, er nimmt ihn mit! Noch weiter rechts ansetzen! Donnerwetter! Setz ihn mehr links an! Ihr seid durch! – Gespannte Blicke auf silberfarbene Kugeln. Nach jedem Durchgang werden die Kugeln sorgfältig mit einem Tuch poliert. Jeder hat sein eigenes Spiele-Set.

Wie die Boule Gruppe entstand

Hände mit Boulekugeln

(c) Elfie Siegel

Hans Hütte ist seit neun Jahren in Pension. Sein Sohn ist der Pastor in der Borgfelder Kirche. Mit seiner Frau und seinem Sohn saß er damals zusammen. Sie haben gemeinsam überlegt, was er in seinem Ruhestand machen könne. Denn für Männer gebe es wenig. In dem Gespräch entstand die Idee der Boule Gruppe: Man ist an der frischen Luft, man bewegt sich und es macht Spaß. Sechs Senioren waren sofort dabei. Heutzutage treffen sich 20 bis 30  Männer. Sie waren Handwerker, Beamte oder auch Akademiker. Sie sind im Alter von über 60 bis über 80. Sie kommen jeden Mittwochvormittag, wirklich jeden Mittwoch, auch bei Regen, Kälte, Schnee und Eis. Sie freuen sich auf ihr Treffen.

Der kleine grüne Kaktus gehört dazu

Ist das Wetter im Winter gar so schlecht, sind sie trotzdem mindestens ein halbes Stündchen im Park. Danach gehen sie in den Gemeindesaal und arbeiten an ihrem Repertoire für den Chor, Helmut Schaarschmidt als Chorleiter am Klavier. 70 Titel haben sie inzwischen im Programm. „Wir sind die BouleBoysBorgfeld“ heißt die vom Chorleiter gedichtete und komponierte Gruppen-Hymne. Sie singen alte Schlager und Volkslieder und auch vom kleinen grünen Kaktus. Ab und zu gibt der Chor eine Vorstellung im Altenheim Lilienthal. Wenn einer aus der Boule Gruppe Geburtstag hat, bauen sie sich an der Rundbank um die dickste Linde im Park auf und singen ein Ständchen. Dazu gibt es dann vom Geburtstagskind Rotwein und kleine Leckereien vom nahen Wochenmarkt.

Sie kümmern sich um einander und um die Gemeinde

BouleBoysBorgfeld, Männer beim Boule-Spielen

(c) Elfie Siegel

Heute hat niemand Geburtstag. Wir gehen zum Italiener eine Straße weiter. Beim Cappuccino erzählt Adolf Pösel, wie sie sich auch sonst gegenseitig unterstützen. Wenn einer Sorgen oder gar einen Schicksalsschlag erlitten hat, gibt es drei oder vier BouleBoys, die sich um ihn kümmern, sich mit ihm zusammensetzen, mit ihm reden. Es sind Freundschaften entstanden. Sie tauschen auch Gesundheits-Tipps aus: Wo kann ich meine Hüfte am besten operieren lassen. –Und sie haben das Gemeindehaus renoviert, Maurer-, Holz- und Gartenarbeiten erledigt. Sie haben den alten Zaun weggenommen und den neuen aufgebaut.

Sie fahren nach Wolfsburg

Adolf Pösel ist außerdem für Kultur zuständig. Er organisiert für kleinere Gruppen Bahnreisen zu Kunstausstellungen in Hannover, Hamburg oder Düsseldorf. Demnächst besuchen die Boule-Boys die Kokoschka-Ausstellung in Wolfsburg.

Und was sagen ihre Frauen?

Ich frage danach. Die Cappuccino-Runde lacht: Die sind froh, wenn wir ihnen nicht im Wege sind. Und mancher von uns bekommt einen Einkaufsauftrag für den Wochenmarkt nebenan mit.

Ein nachahmenswertes Beispiel

Dieses gelungene Miteinander im Quartier sollte Nachahmer in anderen Stadtteilen finden.

Elfie Siegel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.