Inkontinenz – Wenn ich früher gewusst hätte…

Regentropfen an Ästen

(c) Algeth Weerts

Nachdenken über eine verbreitete und doch verschwiegene Beeinträchtigung.

Man leidet allein, zunächst jedenfalls, oder – wenn man/frau ganz mutig ist – vertraut man sich einer Freundin an. Aber bevor dies geschieht, ist man eine lange Wegstrecke gegangen: peinlich, schamvoll und voller Unruhe, denn: ich bin nur noch auf der Suche nach einer Toilette. Der Grund: Inkontinenz!

Die richtige Anlaufstelle finden

Millionen sind davon betroffen, aber offen besprochen wird dies Problem höchst selten. Es bedarf schon einer großen Portion Mut, sich darüber zu äußern. Es gibt – was viel zu wenig bekannt ist – heute in jedem größeren Ort Beratungsstellen. So wie hier in Bremen. Dort trifft man auf Fachkräfte, die sich mit großer Sensibilität die Probleme anhören und Wege zur Hilfe aufzeigen

Unterschiedliche Tabletten

(c) frauenseiten ; Antje Robers

Zur Recherche für diesen Artikel führte mich mein Weg in das Krankenhaus Links der Weser. Trotz der großen Belastung der Ärzte, traf ich eine Fachärztin, Frau Dr. Sabine Gaiser, Leitende Oberärztin und Leitung des Kontinenz- und Beckenbodenzentrums. Sie nahm sich alle Zeit der Welt, um mit mir über Inkontinenz zu sprechen. Und dies geschah so, dass es mir als Unkundige weder peinlich noch unverständlich war.

Wege der Behandlung finden

Ein solches Gespräch steht immer am Anfang einer erfolgreichen Behandlung. Schließlich muss herausgefunden werden, um welche Art von Inkontinenz es sich handelt; ob Stress- oder Dranginkontinenz oder eine der vielen anderen Arten dieser Krankheit vorliegt oder andere körperliche Gründe dazu führten. Neben der Beckenbodengymnastik oder anderen gezielten Übungen gibt es natürlich auch medikamentöse Behandlungen oder – wenn es sich gar nicht vermeiden lässt – auch eine Operation. Sie führt zu 80 % zum Erfolg.

Gleichgesinnte finden

Ausgestreckte Kinderhand

(c) Barckhausen

Die wohltuende Art des Gespräches, das ich mit der Ärztin führte, macht Mut. Mut, endlich aus dem Versteckspiel herauszukommen. Früherkennung und Beratung sind die wichtigsten Schritte auf dem Weg zur Heilung. Nicht unerwähnt sollen die Selbsthilfegruppen bleiben. Dort ist man unter „Gleichleidenden“ und öffnet sich sicher eher. Vor allem: Man ist nicht allein mit diesem Problem. Es ist einfach so: niemand redet gerne darüber, aber – so entnehme ich es einer Broschüre – Millionen sind betroffen. Allein in Deutschland leidet jeder fünfte Mensch über 50 Jahre unter den unangenehmen Auswirkungen einer überaktiven Blase.

Gisela E. Walther

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