Monika hat Parkinson

Parkinson, Teegeschirr

(c) Elfie Siegel

Als Monika mit der Diagnose Parkinson konfrontiert wird, wollte sie zunächst nichts davon wissen.

Das Zwischenmenschliche liegt ihr

Seit zig Jahren sind wir zusammen in einer Yoga-Gruppe. Monika kenne ich als eine Zuhörerin und Erzählerin. Sie ist die Seele der Gruppe. Neue nimmt sie unter ihre mütterlichen Flügel. Das Zwischenmenschliche liegt ihr. Zu unserem Gespräch über Alterskrankheiten ist sie sofort bereit. Nur ihr Name soll nicht im Internet stehen. Als ich in ihrer hellen Wohnung ankomme, empfängt sie mich mit einer Kanne Tee und meiner Lieblingsschokolade. Aufmerksam – die Hände ineinander gelegt – konzentriert sie sich auf meine Fragen.

Die Diagnose machte sie wütend

Alles fängt damit an, dass sie gestürzt ist. „Ich bin gestolpert über nichts. Danach habe ich drei Monate laboriert mit Rückenschmerzen.“ Sie geht zum Orthopäden. Weil im gleichen Haus auch ein Urologe seine Praxis hat, meldet sie sich dort wegen ihrer Blasenschwäche an. „Der Urologe hat mich angesehen und gefragt, ob ich auch noch ein neurologisches Problem habe. Er hat mich untersucht und gesagt, soweit sei ich ganz gesund. Aber dann der Satz: Ich tippe auf Parkinson. Lassen Sie das bei einem Neurologen abklären. Ich war wütend. Wie kann er so was sagen! Ich war blockiert. Der weiß nicht weiter und schiebt mich in diese Ecke! Da kümmere ich mich nicht drum.“
Sie geht dann zum Hausarzt, zum Orthopäden und zu einem Physiotherapeuten. Alle drei sagen, was Monika hören will: Sie sind keine Parkinson-Patientin. Sie ist zunächst froh.

Das Zusammennehmen hilft nicht

Bis sie merkt, dass sie unsicher ist beim Gehen, dass sie sich nicht mehr richtig traut…“Ich hatte Angst vorm Fallen.“ Dann kommt das negative Schlüsselerlebnis. Monika: „Ich sehe mein Spiegelbild in einer Schaufensterscheibe: Mit vorgeschobener Schulter und schleppendem Schritt. Meine Beine wirken wie nicht richtig aufgehängt.“ Sie ruft sich zur Ordnung: „Nimm dich mal zusammen!“ …Aber das gelingt ihr nicht. „Das ging nur für fünf oder sechs Schritte. Ich hatte das Gefühl: Ich muss tüchtig aufpassen.“

Monika wird laut

Parkinson, Verschränkte Hände einer Frau

(c) Elfie Siegel

Sie macht einen Termin beim Neurologen. Ehe sie den Facharzt sieht, sagt die Sprechstundenhilfe: Ich habe eine Tablette für Sie. „Da bin ich laut geworden!“ Aber dann ruft sie sich zur Ordnung. „Komm, zick nicht rum!“ Sie nimmt die Pille und soll 20 Minuten in der Praxis umherlaufen. Der Arzt meint: Da ist ein bisschen was. Kommen Sie in einem Vierteljahr wieder.

 

Sie akzeptiert, dass sie krank ist

Auf dem Nachhauseweg merkt sie: Ich kann wieder richtig gehen…nach fast einem halben Jahr! Aber am nächsten Tag ist der alte unsichere Zustand wieder da. Sie hatte Dopamin bekommen. Und sie muss realisieren, dass sie dieses Medikament braucht.
Heute nimmt sie Dopamin, alle acht Stunden eine Tablette. „Wenn ich das Medikament nicht nehme, geht es mir nicht gut.“

Das Reden tut ihr gut

„Die Tatsache (sie meint die Diagnose) hat mich sehr erschüttert. Ich stehe zu meinem Alter: ich bin 68 Jahre alt. Aber wenn man Defizite merkt …je nachdem wie peinlich sie sind. Das zuzugeben, das ist schwierig. Am Anfang war ich sehr blockiert. Nach der ersten Diagnose hatte ich mich massiv dagegen gewehrt. Ich bin zwar jemand, der jetzt ziemlich offen darüber redet…“ Immer wieder darüber zu reden, das war und ist hilfreich. So erfährt sie von einer befreundeten Krankenschwester einiges über die Krankheit. Und ein Freund recherchiert für sie im Internet. „Es war ein Prozess, bis ich so weit war.“

Sie braucht ihre Pausen

Einige Freunde haben etwas ungläubig reagiert: Du zitterst ja gar nicht. Aber ihre Krankheit ist eine Form von Parkinson, sie heißt „Rigor“, das bedeutet Versteinern. „Manchmal, wenn ich was schnell machen will, dann brauche ich einen Moment, bis ich mich wieder bewegen kann. – Gelegentlich versuche ich noch, meine Krankheit zu überspielen. Es kommt auf die Menschen an, mit denen ich zusammen bin. Zu Freunden kann ich schon sagen: Ich kann jetzt nicht. Ich brauche eine Pause.“ Manches geht allerdings gar nicht. Als im Freundeskreis die Idee zu einer Islandreise aufkommt, ist sie zunächst begeistert. Dann wird ihr klar, dass das zu viel würde. Aber kürzlich war sie mit ihrem Mann und den Reisefreunden in Dresden. Sie schwärmt davon. Und diese Reise hatte sie sogar organisiert. Sie freut sich darüber.

Beratung un Hilfe findet man über das Netzwerk Selbsthilfe und die Bremer Parkinson Vereinigung

Elfie Siegel

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