Das graue Thema Depression

Teddy auf Fensterbank

(c) Robers, frauenseiten

Ein brisanter Vortrag fand im Rahmen des Bremer Frauenfrühstücks im Bürgerhaus Weserterrassen statt. Es ging um den oft verschämten Umgang mit Depressionen, die viele Menschen noch im Alter treffen können.

Unterdrückte Lebensenergie

Zum Bremer Frauenfrühstück steht schon eine halbe Stunde vor Beginn ein Dutzend Frauen vor der Tür des Bürgerhauses Weserterrassen. Es geht um ein brisantes Thema, das immer mehr in der Öffentlichkeit diskutiert wird: Depression im Alltag. Die Ergotherapeutin Freja Thorgard spricht zunächst von dem Glück, wenn wir uns aufgehoben fühlen in der Umwelt. Die Lebensenergie kann strömen. Wird diese unterdrückt, entstehen Aggressionen. Können diese wiederum nicht gezeigt werden, kann sich eine Depression entwickeln. Die Flucht in schöne Welten oder übertriebene Aktivität vermeidet, die Depression spüren zu müssen.

Ein dunkler Schleier auf der Seele

Frauenportrait

(c) Elfie Siegel

Körperliche Auswirkungen können Muskelverspannungen sein. Der Muskeltonus wird schlaffer, die Atmung wird flacher. Müdigkeit und Schlaflosigkeit, Schmerzen, Engegefühle, Druck im Magen sind einige der Symptome. Mangelnde Aktivität und quälende Unruhe können einander abwechseln. Für Depressive legt sich ein dunkler Schleier über die Seele. Jede Anforderung ist einfach zuviel. Sie werden passiv, lassen sich zum Beispiel durchs Fernsehen berieseln. In der Bundesrepublik gibt es acht Millionen Menschen, die mit dieser Diagnose medikamentös eingestellt sind oder sich in Kliniken aufhalten. Der Anteil von Frauen ist besonders hoch.

Du darfst nicht merken

Freja Thorgard referiert verschiedene Arten von Depressionen. Eine neurotische Depression kann durch ein schicksalhaftes Ereignis im Leben entstehen. Besonders die Nachkriegsgeneration hat Traumata entwickelt, die von einer in die andere Generation weitergegeben werden. Die traumatischen Gefühle werden unterdrückt. Du darfst nichts spüren. Du darfst nicht merken. Dies war die Maxime, in der Viele herangewachsen sind. Verhaltensweisen und Gefühle der Vorgeneration werden von der nachfolgenden Generation übernommen. Eine alte Dame meldet sich: „Ich habe viel mitgemacht. Und jetzt habe ich auch noch Schuld, wenn es meinen Kindern nicht gut geht.“ Die Referentin ermutigt sie: Es sei wichtig, im Gespräch zu bleiben und dazu zu stehen: Ja, damals war es so und so. Heute kann ich auch manches anders sehen. „Spitzen Sie die Ohren im Kontakt. Haben Sie Mut zum Dialog!“

Und was hilft gegen depressive Verstimmungen?

  • Gesunde Kost gibt Energie = Lebensenergie.
  • Viel Bewegung! Es lohnt sich, den Schweinehund zu überwinden.
  • Sich mit Andern austauschen, sich nicht isolieren.
  • Nicht auf die großen Dinge warten, sondern die kleinen Dinge des Lebens sehen.
  • Den Tag strukturieren, zum Beispiel mit einem Tageskalender: Was nehme ich mir für heute vor? Was habe ich heute gemacht?
  • Eine Meditation: Keine Angst vor den Gedanken, die kreisen. Oft gibt die Stille auch Antworten auf die Fragen.

Zum Schluss bietet die Ergotherapeutin noch einige Atem- und Bewegungsübungen an. Zwei oder drei Frauen verabschieden sich schnell. Aber die meisten machen mit.
frejas-gesundheitsladen

Elfie Siegel

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