Belastende Blasenschwäche – Gefahr der Isolation

Inkognito, Frau zieht Kragen über das Gesicht, schwarz weiß

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Blasenschwäche oder – wie sie auch genannt wird – Harninkontinenz ist für Männer und Frauen häufig ein tabuisiertes Thema. Psychosziale Belastungen – wie Scham, Angst, Unsicherheit, sozialer Rückzug und Einschränkungen der Lebensqualität – sind oft die Folgen.

Tabuthema Harninkontinenz

Bluthochdruck, Osteoporose, Diabetes, Gicht oder Krebs – dies alles sind häufige Erkrankungen in unserer Gesellschaft. Im Fernsehen, in Zeitschriften und im Internet wird darüber berichtet, wir wenden uns bei Beschwerden guten Gewissens an unseren Arzt und tauschen uns im Freundeskreis oder im Sportverein darüber aus. Völlig anders sieht es bei Harninkontinenz aus. Harninkontinenz selbst ist keine gefährliche Erkrankung, jedoch sind die psychosozialen Folgen für Betroffene sehr belastend. Etwa fünf bis sechs Millionen Deutsche sind von Harninkontinenz betroffen, aber nur ca. ein Viertel davon sucht sich Hilfe. Oft ist Schamgefühl der Grund dafür, dass es erwachsenen Menschen schwer fällt, sich mit Inkontinenzbeschwerden an einen Arzt zu wenden.

Psychosoziale Belastung durch Harninkontinenz

Vielleicht kennen Sie das: Sie lachen, nachdem eine Bekannte eine amüsante Geschichte erzählt hat und nehmen war, dass Sie dabei ungewollt Urin verlieren. Oder Sie verspüren beim Abendessen mit Freunden plötzlich starken Harndrang und schaffen es nicht mehr, rechtzeitig eine Toilette aufzusuchen, sodass Sie sich einnässen. Das erzeugt bei Ihnen Verunsicherung und der Kontrollverlust ist Ihnen unangenehm. Sie suchen nach einer Erklärung, die folgendermaßen lauten könnte: das ist noch nie zuvor passiert und wird bestimmt nicht wieder vorkommen, das ist ganz normal in meinem Alter und da kann man bestimmt nichts machen,… Viele Betroffene empfinden Harninkontinenz als normale Alterserscheinung und erhoffen keine wirksamen Behandlungsmöglichkeiten.

Regentropfen auf Lupinenblättern

(c) Elfie Siegel

Auch wenn Sie möglicherweise schon anders lautende Informationen erhalten haben: Harninkontinenz ist eine behandelbare Erkrankung und die Beschwerden können erfolgreich gebessert werden. Unvollständige Informationen zu diesem intimen Problem können bewirken, dass Sie sich nicht Ihrem Arzt anvertrauen, sondern versuchen, sich mit Ihren Beschwerden zu arrangieren. Sie schränken Ihre sozialen Aktivitäten, Ihre Alltagsgestaltung und Ihr Intimleben sehr ein: Sie verzichten auf Sportkurse, vermeiden Besuche bei Freunden und verzichten auf Geschlechtsverkehr. Wer von Harninkontinenz betroffen ist, bewertet seine Lebensqualität häufig schlechter als nicht Betroffene. Daher haben psychosoziale Aspekte bei Harninkontinenz eine besondere Bedeutung.

Betroffen sind Frauen und Männer

Alte Frau mit Stock und Einkaufsbeutel

(c) frauenseiten, Robers

Anders als häufig angenommen, betrifft Harninkontinenz Männer und Frauen und bei beiden Geschlechtern steigt die Häufigkeit mit zunehmendem Lebensalter. Am schlimmsten ist für sie die ständige Angst: Angst vor dem Nasswerden, Angst vor unangenehmem Geruch, Angst vor Unverständnis, wenn jemand etwas merkt. Viele verwenden aufsaugende Einlagen. Das ist für Männer selten unauffällig möglich, weil für sie besonders auf öffentlichen Toiletten keine Hygieneeimer vorhanden sind. Auch wenn das Ansprechen schwer fällt, kann es einen Zugewinn an Lebensqualität bedeuten, wenn Sie professionelle Informationen zu Ihren Beschwerden erhalten und von wirksamen Therapieverfahren erfahren. Hilfs- und Beratungsmöglichkeiten gibt es zum Beispiel in Selbsthilfegruppen und bei Ärzten oder Physiotherapeuten (siehe unten).

Weitere Informationen sind unter anderem hier verfügbar:

Anne Dehlfing (Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP))

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